REISETAGEBUCH - EINLEITUNG

 

An einem trüben Herbstsonntag sitzen wir in den frühen Abendstunden zusammen vor unserem Kamin und genießen die Erinnerungen an unseren letzten gemeinsamen Familienurlaub. Wohlwissend, dass eigentlich unerschwinglich und ich weiß nicht wirklich warum, frage ich am Abendbrottisch in die Runde, was meine Familie davon hielte, einen gemeinsamen Keniaurlaub zu planen.

Hätte ich vorher darüber nur kurz nachgedacht und wäre mir nur annähernd die Tragweite dieses Ausbruchs meines kurzen Gedächtnisaussetzers bewusst gewesen, oder hätte ich nur annähernd ansatzweise diese euphorische Reaktion meiner Familie vermutet, hätte ich diese Frage wohl nie gestellt.

Im Nachhinein dagegen immer wieder.

Noahs großer Kindheitstraum, einmal in den unendlichen Weiten Kenias mit dem Jeep auf Raubtiererkundungstour zu gehen, rückte in greifbare Nähe.

Endlose Savannenlandschaft, Baobabs, Akazienwälder, riesige Sumpfgebiete, Elefanten, Giraffen, Wasserbüffel, Zebras, Strauße, Löwen, Geparden, Leoparden, Hippos, Krokodile, Antilopen, Gnus, Dick Dicks, Warzenschweine und die unzähligen Kleinstbewohner – es gibt sie tatsächlich in der kenianischen Wildnis.

Das Land hat auch uns in kürzester Zeit in seinen Bann gezogen. Trotz der vielen Probleme, der Armut und der Korruptheit kann ich nachvollziehen, warum so viele dieses Land bereisender Menschen sich genau hier ihre neue Heimat suchen.

 

Wir wissen jetzt noch mehr, wie wertvoll es ist sauberes Wasser zu haben und was für ein verschwendeter Luxus es ist, damit Poolanlagen zu füllen, 

dass die Natur auf der einen Seite so brutal sein kann und auf der anderen Seite so Wunderbares bereithält,

dass Natur zerstören für manchen nur die Folge von überleben und für andere die Folge von Leben im Luxus sein kann.

 

Wir durften erleben, dass „arm leben“ nicht immer auch gleich „arm oder gar unglücklich sein heißt“,

zehn Euro zu bekommen glücklicher machen kann, als ein großes Auto zu fahren,

wie ein verlorengegangenes Dreimonatsgehalt trotz der Armut zurück zu seinem Eigentümer findet. 

 

Wir haben erfahren, dass acht Euro Tageslohn glücklich machen und dass Public Viewing nur dreißig Cent kosten kann,

dass Security nicht immer Gefahr bedeutet und dass Pfeil und Bogen ein Zeichen von Stolz sein kann.